Ferientour in Hornberg (Schwarzwald)

Ein voller Erfolg

Am Samstag, 28. Juli war es wieder soweit. Gut gelaunt stehe ich mit meinen RVW-Kollegen auf dem Parkplatz des Zentrum Rosenberg. Wir starten - zum erstenmal für mich - mit dem Velo in Winterthur. Die Reise führt für fünf Tage in den Schwarzwald, nach Hornberg. Flavio erteilt uns letzte Instruktionen. Es werden drei Gruppen gebildet, damit die Kolonne nicht zu lang wird. Die Gruppe mit Kurt Schönenberger ist 15 Minuten unterwegs, als Leo Jaggi seinen Leuten das Zeichen zum Losfahren gibt. Wir starten als letzte. Flavio führt uns über Riedt und Hünikon nach Flaach, bei Rafz geht es über den Zoll Richtung Griessen. In der Gegend von Rafz macht Christa mit der Strasse Bekanntschaft. Beim Blick zurück nach ei-nem Igel ist es schon passiert. Das Hinterrad vom Vordermann berührt - . “Autsch !! Blöd gange !” - zum Glück nur Schürfwunden. Christa fährt weiter und kann bald wieder lachen. In flottem Tem-po geht es Richtung Bonndorf hinunter zur Wutach-Schlucht. Bald einmal ist Mittagsrast. Beinahe alle finden einen Platz zum Essen. Gestärkt fahren wir unserem Ziel entgegen. In der Zwischenzeit sind dunkle Wolken aufgezogen, die ersten Tropfen fallen. Lange können wir dem Gewitter davonfahren. Doch dann geht's los. In kurzer Zeit sind wir alle durch und durch nass. Es giesst in Strömen. Zum Glück ist es nicht kalt und auch Hornberg nicht mehr weit. Zur Belohnung des heutigen Tages gibt es noch eine “super-geile” Abfahrt - die schnellsten erreichen beinahe 95 km/h ! Bei einem kühlen Bier im Hotel Schondelgrund verteilt Flavio die Zimmer-Schlüssel. Fritz muss sich Kleider von Ludi ausleihen. Sein Gepäck blieb in Wiesendangen liegen. Doch in voller Fahrt - das Handy macht es möglich - hat Flavio es nach einigen Anrufen geschafft, dass René die Sporttasche von Fritz bringen kann. So können bald alle zum Nachtessen Platz nehmen. Nach der langen Fahrt kann über vieles geredet und gelacht werden. Es wird verflixt schnell Mitternacht und Zeit, die müden Beine hochzulegen.

Schon um 7.00 Uhr ist wieder Tagwacht. Ein Blick nach draussen: blauer Himmel, schönes Wetter. Schnell ist die Müdigkeit verflogen. Auch unsere beiden Begleitbus-Fahrer Erwin und Willi wollen es heute wissen. Bald sitzen sie mit uns auf den Velos. Für heute hat sich unser Tourenchef eine wunderschöne Runde ausgedacht. Alte Holzhäuser mit grossen Dächern, kleine verträumt rauschende Flussläufe, bunte Blumenwiesen mit Kühen und fein duftendes Heu auf den Feldern. Kurz gesagt “Freude herrscht” ! Immer geht es auf und ab, bald einmal werden die Beine müder und der Durst grösser. So kommt für alle der Mittagshalt wie gerufen. Wie gut doch so ein “Spezi” oder eine “Apfelschorle” schmeckt ! Gestärkt geht es dem nächsten “Hügel” entgegen. Zuerst schlängelt sich die Strasse einem kleinen Flüsschen entlang. In Einerkolonne macht Ad das Tempo. Er macht dem Namen “Holland-Express” alle Ehre. Zum Glück kann Tobias ein gutes Wort einlegen. Die meisten sind nicht böse, dass Ad uns ein wenig gemächlicher bis zur nächsten Steigung führt. Es geht beinahe auf 1’000 Meter hinauf mit einigen steilen Stellen an der prallen Sonne. Auf der Alexanderschanze werden wir mit einer super Aussicht belohnt. Über Freudenstadt, Alpirsbach geht es nach Schrammberg. In dieser Gegend werden wir von einem heftigen Gewitterregen überrascht. Die ganze Gruppe ist bis auf die Haut nass. Auf der heissen Strasse dampft es wie in einer Sauna. Weil die Brillen beschlagen, fahren einige im Blindflug mit 60 km/h die Abfahrt hinunter. Ich höre hinter mir Willi schimpfen. Als Brillenträger ist mir nicht gerade wohl, trage ich als vorderster auch etwas die Verantwortung für meine Kameraden hinter mit. Bald sind Strasse und Trikot wieder trocken, nur Schuhe und Socken bleiben zum zweitenmal bis ins Hotel nass und schmutzig. John kann den heutigen Tag auch als erfüllt abbuchen. Nach langer Führungsarbeit fuhr er als erster in Schrammberg ein. Er musste dafür am letzten Aufstieg etwas büssen. Doch was soll’s beim Nachtessen ist alles vergessen. Wenn ich beim end-losen Warten auf das Essen um mich schaue, sehe ich nur lachende und zufriedene Gesichter. Ich glaube, Flavio hat seine Sache wieder sehr, sehr gut gemacht. Lange wird noch zusammen gesessen. Die Wasserspeicher müssen wieder gefüllt werden, sonst gibt es morgen ja nichts zu schwitzen !

Heute ist schon der 3. Tourentag. Es sitzen alle beim Frühstück - beinahe alle. Unsere Freunde aus Holland brauchen etwas länger am Morgen. Es muss ein guter Boden gelegt werden, denn heute führt uns die Tour auf den höchsten Punkt unserer Schwarzwaldfahrt, den Kandel. Langes Verdauen und Einrollen sind nicht angesagt, schnell einmal sichten wir eine 16%-Tafel. Die grossen Sprüche verstummen plötzlich. Was jetzt folgt, ist eine “Wand vom Feinsten”. Zum Glück habe ich mein grosses Ritzel hinten nicht noch gewechselt. Als wir nach einer kurzen Ebene um ein Haus biegen, werden meine Augen immer grösser und mein Mut immer kleiner. Von locker und so, keine Spur ! Vor und hinter mir kleben überall rot-weiße Punkte. Meine Freunde müssen auch kämpfen. Ich denke auch an die “Gruppe Blüemli”. Schaffen es Erika und Christa - wie geht es Willi ? Wulli, unser Pensionär ist in Topform, aber wenn es so steil aufwärts geht ? Ich habe mir unnötige Sorgen gemacht - es haben alle durchgehalten. Auch wenn Hermi ziemlich muffig den Strecken- plan hervorreisst und zu Flavio meint: ”Es hätte schon noch einen einfacheren Weg gegeben als diese “SAUWAND”!” Kurze Zeit später können alle wieder lachen. Wetten - von dieser “Einrollstrecke” wird im RVW noch lange gesprochen ? Dafür ist der Aufstieg zum 1’278 m hohen Kandel “alle erste Sahne”. Langsam kann ich von hinten das Feld aufrollen. Es macht grossen Spass. Alle, die ich einhole sind gut drauf. Dieter, Peter, Charlie und Leo fahren so gut bergauf, ich staune und freue mich. Die ganze RVW-Schar erreicht beinahe gleichzeitig die Passhöhe. Schön ist auch, dass ich zusammen mit meinem alten Kumpel “Maz” oben ankomme. In einer gemütlichen Gartenwirtschaft essen und trinken wir. Natürlich ist das Morgenprogramm immer noch ein Thema. Wir sind uns alle einig, dass die Steigungen hier im Schwarzwald nicht einfacher sind als jene über einen unserer Alpenpässe. Die beinahe 3’000 Höhenmeter heute Abend am Ziel sprechen für sich. Es gibt hier beinahe keine Erholungsmöglichkeiten. Es ist ein stetes auf und ab.

Weil ich meinen Montagsturner-Kollegen versprochen habe, das 1. August-Feuer aufbauen zu helfen, ist es bereits der letzte Abend für mich. Ich fahre auf der Originalstrecke zurück in die Schweiz. Peter verspricht von den beiden letzten Tagen auch etwas zu Papier zu bringen. Auf meiner Heimfahrt kann ich meinen Gedanken nachhängen. Wenn nichts mehr passiert, darf auch diese Ferientour des RVW als voller Erfolg verbucht werden. Es hat alles gestimmt. Ich kann den Daheimgebliebenen nur sagen: “Ihr habt etwas verpasst !” Es war wunderbar in einer Gegend mit Freunden Velo zu fahren, die so nahe liegt und uns doch beinahe unbekannt ist. Es wäre schön, auch im 2002 wieder mit so vielen aufgestellten Velokollegen neue Abenteuer erleben zu können.
Walti

4. und 5. Tag

Obwohl ich wohl der Einzige bin, der vom oben erwähnten Versprechen nichts weiss, konnte ich die von “höherer Stelle verordnete Schreibpflicht” nicht abschlagen und versuche, die beiden letzten Tage der Ferientour 2001 “kurz” zusammenzufassen.
Als Teilnehmer der “etwas weniger langsamen” Gruppe nahmen wir das recht anspruchsvolle Streckenprofil des 4. Tages in Angriff. Unsere Mannschaft ist durch zwei vielleicht an Ermüdungserscheinungen leidende Fahrer der ersten Gruppe, sowie durch die erst am Vorabend angereiste Astrid etwas angewachsen. Da auch die übrigen Fahrer unseres Teams die Anstrengungen der letzten Tage in den Beinen verspürten, wurde einstimmig beschlossen, die heutige Strecke leicht zu verkürzen und etwas mehr Wert auf Gemütlichkeit zu legen. Trotzdem waren natürlich einige Höhenmeter nicht zu umgehen und die relativ flachen Zwischenstücke verleiteten dennoch zu einem flotten Tempo. Lustig war auch, dass sich die drei Gruppen, welche ja nicht immer die gleiche Strecke fuhren, öfters begegneten. Es kam sogar vor, dass zwischendurch die Gruppe “Blüemli” die Spitze des Feldes übernahm. Nach einem Znünihalt mit dem vielleicht besten Apfelkuchen des Schwarzwaldes und einem äusserst feinen Mittagessen in Oberwolfach endete der vierte Tag leider etwas unerfreulich. Hermi Berger aus der ersten Gruppe hatte zu unserem Team aufgeschlossen und wollte kurz vor dem beabsichtigten “Zvierihalt” un-bedingt noch einen “Grastest” machen. Seinen Augenschein im Wiesland überstand er unbeschadet und fand denn auch wieder auf die Strasse zurück. Nur, so ein verflixter Grasbüschel hatte sich in der Nabe des Vorderrades verfangen. Dass man so nicht weiterfahren kann, versteht sich von selbst. Aber deswegen anzuhalten wäre ja auch wieder etwas übertrieben. Also wollte Hermi das Gras fahrenderweise entfernen. Ob ihm dies gelungen ist, ist mir un-bekannt, bekannt ist mir jedoch, dass drei Finger seiner rechten Hand darnach wie durch den Fleischwolf gedreht aussahen. Glück im Unglück hatte Hermi - , die “velofahrende Krankenschwester” Astrid war bei ihm und konnte erste Hilfe leisten - im Zeitalter des Handy konnte sofort Hilfe angefordert werden, und die mitreisenden Frauen im Auto waren zufällig ebenfalls in der Nähe ... auf schnellstem Weg ging es dann via Arzt ins Spital von Triberg. Dort wurde zum Glück festgestellt, dass keine Sehnen und Nerven durchtrennt worden waren. Beim Nachtessen durften wir den Unglücksraben, zwar mit grossen Schmerzen, aber doch einigermassen gutgelaunt wieder unter uns begrüssen.

Am 5. und letzten Tag ging es glücklicherweise ohne Zwischenfälle weiter durch den wunderschönen Schwarzwald in Richtung Winterthur. Der Mittagshalt in der Tannenmühle, mit dem für viele obligaten Fischessen, war dann leider bereits das Ende der Gemeinsamkeit. In verschiedenen kleinen und grösseren Gruppen wollten einige so schnell wie möglich nach Hause. Etwas schade, dass man nach einer wirklich gelungenen Ferientour das letzte Stück nicht noch gemeinsam unter die Räder nehmen konnte, so nach dem Motto “man fährt zusammen fort und kommt zusammen nach Hause”.

Im Namen aller Teilnehmer danke ich dem Organisator Flavio für die einmal mehr hervorragend vorbereitete und organisierte sehr schöne Ferientour recht herzlich.
Peter

Ferientour 2001