Ferientour ins Elsass

29.Juli – 1. August 2005                        aufgezeichnet von Sepp B.

 

Tagestouren in der nahen und weiteren Umgebung ist für uns Alltagskost. Die Steigerung davon ist die alljährliche Ferientour. „La perle du vignoble, Riquewihr“, hierhin führte uns heuer die Reise. Vier Tage im Elsass zu radeln, schien d i e  grosse Anziehungskraft zu haben, meldeten sich doch über vierzig Fahrerinnen, Fahrer und Begleitpersonen an und wollten dabei sein, wenn’s über die Anhöhen der Vogesen zu fahren galt. Wir erlebten vier wunderschöne Tage bei herrlichem Sommerwetter. Ideal für tägliche Touren, die laut Streckenplan jeweils um die 150 km betrugen. „Stark in der Arbeit, stark im Vergnügen“, so ist der Auftritt der Webseite, Elsass, im Internet betitelt. Das muss ja was Wunderbares sein, was da auf uns zukommen sollte. Wo wir unseren Aufenthalt nach 4 Tagen nun einreihen wollen, Arbeit oder Vergnügen, ist jedem Einzelnen überlassen.

Die Teilnahme an einer mehrtägigen RVW - Radtour ermöglicht uns von Erfahrungen und Kenntnissen zu profitieren: von der Routenplanung, einer anspruchsvollen Unterkunft und weiteren Annehmlichkeiten. Aufgeteilt in vier Stärkegruppen und ausgerüstet mit aufschlussreichem Kartenmaterial, wie immer hervorragend dokumentiert von Organisator Flavio, konnte das Abenteuer beginnen. Erleben wir also die vier Tage meiner Gruppe nochmals in einem kurzen Rückblick.

 

Freitag, 29. Juli: Einrolletappe 

Bevor zur ersten Etappe gestartet werden kann, gilt es, die lange Anreise ins Elsass zu planen. Wir treffen uns im Hotel Riquewihr, wo man sich gleich an einem köstlichen Frühstück Buffet verköstigen kann. Dies sollte sich schliesslich auch lohnen, ist doch bereits am ersten Tag mit dem Grand Ballon die höchste Col zu bezwingen. Pünktlich um halb Zehn stellt sich der Tourtross vor dem Hotel auf. Es folgen allgemeine Informationen und bald einmal können die Leiter mit ihrer Gruppe losfahren. Mein (unser) Chef, Flavio, sorgt bereits zu Beginn für geordnete Verhältnisse. Seinem Ziel, möglichst in der Gruppe zusammen zu bleiben, bergauf wie bergab, entspricht auch meinen Vorstellungen. In flottem Tempo fahren wir auf der gut ausgebauten Weinstrasse den imposanten Rebbergen entlang durch malerische Winzerdörfer. Jedes präsentiert sich auf seine Weise, herausgeputzt mit blühendem Blumenschmuck, mit viel Charme und Eleganz. Flavios erster platter Reifen zwingt zu einem kleinen Zwischenhalt. Wir können uns so auch in Ruhe verpflegen. Nach 45 km ist es dann vorbei mit der gemütlichen Fahrt. An einem Brunnen plätschert frisches Trinkwasser, was uns Gelegenheit gibt, aufzutanken. Gleichzeitig entdecken wir den Wegweiser, der den Weg nach dem Grand Ballon zeigt und Roger muss feststellen, dass es nun ihn erwischt hat, uns zu zeigen, wie schnell (oder langsam) ein Reifendefekt behoben ist.

Über den Col de Herrenfluh, den Col du Silberloch passieren wir Hartmannsweilerkopf mit seinem geschichtsträchtigen Soldaten Denkmal. Hier sollen im ersten Weltkrieg gegen 30 000 Soldaten in einen Hinterhalt geraten sein. Das Mahnmal ist nicht zu übersehen.

Der Anstieg wird immer steiler, wir verlieren manche Schweisstropfen in der glühenden Sonne. Kameraden der vorausgefahrenen Gruppe, ziehen es vor, am Rande der Strasse einen Erholungshalt einzuplanen. Das Leiden am Berg hat auf 1338 müM ein Ende. Wir geniessen die Köstlichkeiten im Gipfelrestaurant, Suppe, Spaghetti, Kuchen, die Auswahl ist gross und der Hunger bald einmal gestillt. Es folgt nun eine herrliche Panoramafahrt über die Anhöhen der Vogesen. Immer wieder wird eine weitere Col wird passiert, bis wir auf Col de la Schlucht unseren Weg neu planen müssen: Col du Bonomme gesperrt. Brunos Vorschlag, es doch zu wagen findet kein Gehör. Zumal sich dunkle Wolken am Himmel zeigen. Es war ein weiser Entschluss den direkten Weg ins Hotel zu nehmen. Denn bald fallen die ersten Regentropfen und bevor sich das Gewitter entlädt, finden wir in unseren Zimmern Unterschlupf. Der erste Etappe ist beendet.

 

Samstag, 30. Juli: Königsetappe 

Das Höhenprofil und die Distanz deuten auf ein anforderungsreiches Teilstück hin. Dem war dann auch so: Bereits nach wenigen Kilometern beginnt die Strasse sich den Berg hoch zu winden. Nicht allzu steil, aber doch nahrhaft. Auf fast 1000 müM angekommen, geht es über den Scheitelpunkt gleich wieder ins Tal, um wieder sofort in die Kehren von Col de la Schlucht zu fahren. Die Gruppe bleibt artig beisammen, keine Antritte und für eine Solofahrt scheint gar keine Lust aufzukommen. Das wird auch der Grund zu sein, dass die 12 km lange Steigung im Gruppetto ohne Kräfteverschleiss gefahren wird. Ufe, abe, ufe, abe, zwei weitere Col liegen hinter uns. Zwar wäre eigentlich jetzt  „Brotzeit“, doch eine Verpflegung aus dem „Rucksack“ scheint zu genügen, bevor wir nun die 17 km lange Steigung auf Le Markstein (1266) in Angriff nehmen. Besonders zu schaffen macht uns dieses Teilstück wegen der kürzlich erfolgten Neuteerung mit dem rauen, losen Belag. Die Höhe erreicht, geniessen wir die weite Rundsicht und lassen uns vom Meisterkoch die angebotenen Crepes servieren. Noch eine und nochmals eine, wir konnten uns kaum satt essen.

Wir planen die Weiterfahrt, stellen gleichzeitig aber auch fest, dass wir erst etwas über 100 km gefahren sind und doch ist es schon bald drei Uhr nachmittags und weitere 70 km sind angesagt. Runter ins Tal im forschen Tempo. Der abschliessende Col du Firstplan erweist sich angesichts von bereits gefahrenen Kilometern als äusserst strapazenreich. Oben auf der Col vermissen wir eine Einkehrmöglichkeit, der Bidon muss genügen. Die heutige, längste Etappe endet nach 185 km.

 

Sonntag, 31. Juli: Sonntagsetappe 

Noch herrscht eine trügerische Ruhe auf den Strassen. Wir sind wohl Frühaufsteher in dieser Region. Es ist ja auch Sonntag und wir überlassen den Einheimischen das Ausschlafen. Uns kann es nur Recht sein, wir geniessen den verkehrsarmen Vormittag auf unsere Weise. Wir fahren heute erstmals ostwärts los, und es ist der Beginn des wohl schönsten Abschnittes der Quatre-Jours-Tour. Zwar sind wir auch hier bald einmal in der ersten Steigung, zum Col de Ribeauvillé, doch in der morgendlichen Frische stellt die Bezwingung keine allzu grosse Anforderungen. Danach wieder zu Tale fahrend, auch das geniessen wir, eine weitere Col kann kommen. Danach gibt es endlich einmal eine Fahrt durch ein langgezogenes Tal. Ein erster Halt ist eingeplant. Wir setzen uns zur Willi L. Gruppe, bestellen Kaffee und Mineral. Für Kuchen werden wir in die nahe Bäckerei verwiesen, doch hier war schon (fast) alles ausverkauft. Die WL Gruppe hat vor uns den Laden gestürmt. Sie quittieren dies mit einem schelmischen Lächeln. Gestärkt mit “Wasser und Brot“ folgt der Aufstieg zum Col de Steige. Hier hält die „Blüemli“ Gruppe Rat über die Weiterfahrt. Wir zweigen links ab, nahtloser Übergang zum Col de la Carbonniére und erleben im weiteren Aufstieg eine abenteuerliche Einlage. Wir werden Zeuge eines Freeride-Events von Rollsportlern. Uns stockt der Atem als zwei Longboards Fahrer die abschüssige Strasse, liegend und einem Rodler gleich, den Pass heruntersausen, verfolgt von einem Rollbrettfahrer, der stehend auf seinem Sportgerät gerade die nächste Haarnadel Kurve elegant zu meistern vermag. Die Freereider schienen Gefallen daran zu haben, denn im weiteren Aufstieg jagen sie gleich noch ein zweites Mal an uns vorbei.

Den Mittagshalt schalten wir unten im Tale ein. Auserkoren haben wir ein Café, wo viele glustige, süsse Sachen zur Auswahl bereit stehen. Wir lassen uns bedienen und geniessen die feinen Sachen im bequemen Sessel im Boulevard Café, gönnen uns noch eine zweite Runde, ist ja schliesslich Sonntag. Gut gestärkt verlassen wir Ville und erreichen unser Domizil wohlbehalten. Wir geniessen das obligate Bier und lassen die Sonntagsrunde Revue passieren.

Das schöne Städtchen bewundern wir jeden Abend von Neuem. Das Restaurant mitten im Dorf, wo wir unser Nachtessen einnehmen, verwöhnt uns allabendlich mit Spezialitäten aus der Region. Das Personal ist dem Ansturm gewachsen, denn es ist nicht leicht, über 40 RVWler zu verköstigen. Doch das Personal besteht dies mit Bravour. Noch blieb jeweils Zeit an einem schönen Plätzchen den Abend ausklingen zu lassen. So können wir Fredis Trinkspruch nur zustimmen:

E vive la france

schön ist das Elsass,

rot weiss wouw

wir sind vom RVau

 

Montag, 1. August: Schlussetappe

 

Beim Frühstück herrscht bereits Aufbruchstimmung. Die Koffer müssen gepackt und die Zimmer geräumt sein. Der letzte Tourtag steht uns bevor. Die Ersten verlassen Riquewihr bereits nach dem Morgenessen. Die Gruppen werden neu zusammen gewürfelt und die Routen neu geplant. Zum Abschluss wollen wir es etwas gemütlicher angehen. So wird nach 40 km bereits der erste Kaffeehalt eingeschaltet. Der weitere Verlauf der heutigen Etappe führt uns nochmals auf le Markstein (1266) einer der Höchsten, den wir diese Tage befahren haben. Die Form scheint noch zu stimmen, erreichen die Passhöhe doch alle problemlos. Hier wird die Gruppe aufgeteilt. Einige haben die Heimreise früher geplant und so kürzen wir das Tagespensum und stürzen uns gleich rasant in die Abfahrt. Die letzten 50 km der Ferientour werden so zu einer Triumphfahrt, nicht nach Paris, sondern zurück ins Hotel zurück. Die ganze Gruppe scheint Gefallen zu finden am forschen Tempo, das bei der Rückkehr angeschlagen wird. Auch ein Zeichen, dass wir keineswegs ausgelaugt sind nach vier Tourtagen.

Arbeit oder Vergnügen? Kurz gesagt, für mich (und viele andere) war die Arbeit ein Vergnügen. Dass dem so war, ist das Resultat der guten Vorbereitung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch die tadellose Organisation: Danke Flavio.