Ferientour 2006

Haute Provence und Provence

Im unteren Rhonetal liegt die «Leichtigkeit des Radelns» fast greifbar in der Luft. Olivensilber, Pinien- und Zypressengrün leuchten unter dem von Künstlern seit jeher gesuchten südlichen Licht der Provence besonders intensiv. Wenn dann noch Thymian- und Lavendelduft um die Nase streichen, ist das Ferienglück perfekt. Radtouren werden hier zum beschwingten Bummeln und Schauen. Und es gibt tatsächlich viel Faszinierendes zu sehen, so, dass wir es uns nicht nehmen lassen, auch Bummelfahrten einzulegen. 

Nachtfahrt ins grosse Abenteuer

Bevor wir uns aber in diese südliche, so beschaulich beschriebene Region begeben, werden wir in der Umgebung von Jaussiers arg gefordert. Die erste Gelegenheit wird uns schon auf der Hinfahrt, ab Saluzzo geboten, wohin uns Roger (Kopf Reisen) in der Nacht chauffiert hat. Ab hier haben wir die Möglichkeit, den Prolog zu fahren. Wir wissen, was auf uns zukommt, zeigt doch das Höhenprofil einige Spitzen auf. Den ersten Pass erreichen die beiden Gruppen nach 65 km, kurz vor Mittag. Es ist der zweithöchste Pass, den wir diese Woche bezwingen: Col Agnel auf 2744 m. ü. M. Der Gipfelhalt bietet uns erstmals einen imposanten Rundblick zu weiteren kahlen, felsigen Erhebungen. Noch werden erste Erinnerungen photographisch fest gehalten, bevor wir uns zu Tale stürzen. Der Mittagshalt stärkt unsern hungrigen Magen und wir sind bereit für weitere Taten, den nächsten Aufstieg. Der Col du Vars türmt sich vor uns auf. Hier zeigt’s sich, dass die ganze Gruppe gut vorbereitet zu dieser Ferientour angetreten ist. 

Jaussiers als Ausgangspunkt

In Jaussiers beziehen wir unsere Unterkunft. Klein, aber fein, stellen wir fest. Beim Nachtessen werden von Flavio, wie immer umsichtiger Organisator, die Touren der laufenden Woche in Wort und Bild aufgezeigt. Noch wissen wir nicht was da auf uns zu kommt, bildlich scheint’s ja so leicht auszusehen. Es würde zu weit führen, über jede Tagestour im Einzeln zu berichten. Und doch gibt es einige Highliht’s die uns beeindruckten.
So am Sonntag die Fahrt entlang eines Stausees, der sich geradezu ideal in die gebirgige Landschaft einfügt und den wir bei stetigem Auf und Ab umrunden.  Am Montag war’s die höchste Passstrasse Europas die uns fordert. 2804 m. ü. M. Durch viele, viele Kehren schlängeln wir uns den Col de la Bonette hinauf. Alle geniessen dieses Abenteuer danach hoch oben auf der Bergspitze bei wolkenlosem Himmel. Es wird ein langer Arbeitstag, stehen doch noch weitere Hindernisse mit anforderungsreichen Berg- und kitzligen Talfahrten auf dem Programm.
Der Dienstag beginnt mit einer äusserst romantischen Fahrt durch ein enges Tal. Entlang einer Schlucht, wohin unsere staunenden Blicke schweifen. Ohne grossen Kräfteverschleiss gelangen wir auf die Passhöhe des Col Cayolle. Der Mittwoch gilt als Überführung Richtung Süden. Einige benutzen dies als Ruhetag, tanken neue Kräfte und nehmen im Car Platz. Andere fahren den Col d’Allos hoch und erreichen nach einer langen Abfahrt das Etappenziel Castellane. 

Radtouren durch Schluchten

Am Donnerstag radeln wir durch die Schlucht du Verdon. Es wird wohl das Anschaulichste, was viele von uns je gefahren sind. Immer wieder muss man sich einfach einen Halt gönnen, denn was es in den teils Furcht erregenden Schluchten zu Bestaunen gibt; man muss es mit eigenen Augen gesehen haben. Auf der 181 m hohen Brücke stehend, schweifen unsere Blicke in die Schwindel erregende Tiefe. Beim nächsten Viadukt wimmelt es nur so von Kanubooten auf dem tief blauen Wasser, die diese Abgeschiedenheit auf andere, sportliche Art geniessen.
Das Freitagsprogramm ist wiederum attraktiv zusammen gestellt. Die zu überquerenden „Col’s“ sind gut bezwingbar und führen durch einsame Täler und über verkehrsarme Strassen. So, dass es hin und wieder einen Blick auf die Karte braucht, um sicher zu sein, dass wir auf der richtigen Spur sind. Dass diese engen Täler ein Paradies sind für das River Raffting, können wir immer wieder mit eigenen Augen bestaunen und findet bei uns Respekt, wie sich die Sportler mit Seil und Ausrüstung durch diese Schluchten schleusen. 

Mont Ventoux

Den Abschluss der unfallfreien und vom Wetter begünstigter Ferientour bildet die Fahrt am Samstag auf den Mont Ventoux.  Schon die ganze Zeit da s  Thema der Woche, gilt es nun also diesen legendären Aufstieg zu erleben. Es wird ein Erlebnis, das uns wohl unvergesslich bleiben wird. Schon die Anfahrt aus dem Tale (450 m. ü. M.) bis zum  sechs Kilometer langen, teils sehr steilen Schlussaufstieg forderte uns. Dieses letzte Teilstück auf 1841 m. ü. M. war ein Kampf gegen Wind und die langsam schwindenden Kräfte. Doch oben angekommen geniesst ein Jeder/Jede auf seine Weise diesen Ausflug auf dem wüstenähnlichen Gipfel. Der kalte, böige Passatwind verlangt in der Abfahrt einiges an Geschicklichkeit, doch alle kommen heil zu Tale. 

Lavendelduft begleitet uns

In Sault treffen sich die Gruppen zur gemeinsamen Rückfahrt. Noch bleibt einige Zeit, um dieses liebliche Städtchen zu bestaunen. Hier ist die violette Blütenpracht besonders ausgeprägt. Der betörende Duft des Lavendels lässt uns nachdenken, was er alles bewirken kann. Wir geniessen ihn als Duftgeber und benützen das Angebot, das in den bunten Läden feil gehalten wird. Der Kauf dürfte sich gelohnt haben, denn in einem Heilbuch lese ich: Lavendel soll bereits im Mittelalter seine Wirkung als Heilkraft bewiesen haben. So sollen Babys ruhiger schlafen, wenn sie neben einem Lavendelkissen liegen, Lavendel zeigt Wirkung bei Blähungen und Bauchschmerzen, wirkt bei Migräne, Nervenschwäche, Rückenschmerzen und gar Rheuma. Und vielleicht hat der Lavendelduft auch unsere Ausdauerkraft hoch gehalten, denn wir alle schwärmen über das körperliche Befinden, auch nach einer Woche intensiver körperlicher Beanspruchung.
Sepp B.

Montag 31.07.2006

08.30 Uhr Start zur Königsetappe über 164 km und 4100 Höhenmeter. 

Als erster Höhepunkt galt es den Col de la Bonette zu erklimmen, der mit einer Höhe von 2802 m.ü.M. als höchst gelegene Passstrasse von Europa gilt. Nach ca. 1 km einrollen ging es mit zügigem Tempo, angeführt von Gruppenleiter Flavio, 23 km auf schönen Strassen und traumhaften Landschaften hinauf zum Col de la Bonette. Der letzte Kilometer zum Dach des Gipfels drückte ich den „Rettungsanker“ und riss fast den Lenker ab! Die Mühe hatte sich für alle gelohnt, es erwartete uns eine Horde Radler mit Applaus.Nun schnell noch etwas zwischen die Zähne, Gruppenfotos schiessen, Gilet anziehen und schon starteten wir zur Abfahrt Richtung St. Etienne de Tinée.
Beim Dorfbrunnen galt es die Bidons aufzufüllen. Gruppe Sepp reihte sich bei uns ein und so führte uns Fredi bei starkem Gegenwind nach Isola. Mitten im Dorf bogen wir scharf links ab Richtung Col de la Lombarde, wo wir direkt in eine ruppige Steigung hinein fuhren. Die Sonne brannte uns bei 35° Erbarmungslos auf den Buckel. Mit einem Bidon Wasser der mir Bruno organisierte, kühlte ich immer wieder meinen Kopf! Ziel für den Mittagshalt war Isola 2000 auf 1800 m.ü.M.. Gruppe Willi hielt bereits Ausschau nach einem Restaurant, Turi wartete am Kreisel auf uns und wies uns den Weg dort hin. Bruno fuhr dann nochmals zurück um die Gruppe Sepp, die etwas zurück gefallen war, zu informieren wo wir das Essen einnehmen. Auf dem Weg geschah es dann, Bruno hatte einen „Plattfuss“. Mit etwas Verspätung aber rechtzeitig zum Essen erschien er in unserer Runde, wo wir in Kürze unsere Spaghetti verschlungen.
Nach knapp einer Stunde Pause ging es weiter auf schmaler Strasse hinauf zum Col de la Lombarde, der 2350 m.ü.M. liegt.
Der Weg nach Vinadio (990 m.ü.M.) war für mich anspruchsvoll, da die Abfahrt steil und kurvenreich war. Von da an ging es weiter auf verkehrsreicher Strasse nach Sambuca. Kurz bevor der Aufstieg nach Colle della Maddalena begann wurden wir von einem Gewitter eingeholt, dass für uns eine willkommene Abkühlung war. Nun galt es am letzten Pass die restlichen Kräfte gut einzuteilen, so fuhr jeder sein Tempo.
Das pfeifen der Murmeli, die Blumen am Wegesrand und die farbenfrohen Schmetterlinge liessen mich immer wieder die müden Beine vergessen. Bruno setzte sich von uns ab, Fredi war mein Betreuer und Tobias nahm sich Christina an, so wie wir ihn kennen immer bereit das Schlusslicht zu übernehmen. Am Colle della Maddalena der 1948 m.ü.M. liegt angekommen, genehmigten wir uns noch ein Cola bevor wir die Abfahrt nach Meyronnes unter die Räder nahmen. Die breiten Strassen und lang gezogenen Kurven konnten wir voll auskosten. Weiter ging es Richtung Jausiers, wo wir von unseren Vereins Kameraden mit Applaus empfangen wurden. So endete eine strenge aber eindrückliche Tour.
Mägi L.

 

Ferientour 2006