Ferientour Pyrenäen 2009

 

Die Ferientour 2009 in Stichworten 

Reise hin und zurück in der Nacht vom 26./27.6. bzw. vom 4./5.7. 

Die Route in Etappen:

Sa 27.6. 150 km / 1550 bzw. (mit Zusatzschlaufe) 2543 Hm / schön, bewölkt, heiss
Strecke: Limoux–Quillane–Col de la Quillane (1713)–Mont Louis–Puigcerda (E)
Hinein in die Pyrenäen und hinüber nach Spanien 

So 28.6. 153 km / 1645 Hm / schön, heiss, über 30 Grad

Puigcerda–Adrall–Coll del Canto (1725)–Sort–Cellers

Ein von Steineichen, Ginster und Hundsrosen gesäumter, angenehm steigender Pass, durch eine grandiose Schlucht zum Stausee 

Mo 29.6. 172 km / 2625 Hm   /  schön, heiss, am Mittag Gewitter

Cellers–Port de Martilobat (1080)–Graus–Alto de la Foradada (1020)–Broto

Bis Graus aussichtsreich über landschaftlich reizvolle Pyrenäenausläufer, über uns kreisende Geier; eintöniger der zweite Pass, holprig und im gewittrigen Regen hinauf nach Broto 

Di 30.6. 123 km / 2834 Hm   /  schön, bewölkt, am Mittag Gewitter

Broto–Puerto de Cotefablo (1423)–Biescas–Col du Pourtalet (1794) (F) –Laruns–Col d’Aubisque (1709)–Col du Soulor (1474)–Aucun

In der Morgenfrische angenehm über den Puerto de Cotefablo in die Westpyrenäen, eher monoton über den Pourtalet nach Frankreich, durch engste Schlucht nach Laruns; unter Regengüssen über die Skistation Gourette zum Aubisque und auf dem Alpsträsschen hinüber zum Col du Soulor  

Mi 1.7. 126 km / 3195 Hm  /  schön, heiss, am Mittag Gewitter

Aucun –Col du Tourmalet (2115)–Ste-Marie-de-Campan–Col d’Aspin (1489)–Arreau–Col de Peyresourde (1569)–Bagnères-de-Luchon

Die Königsetappe und auch der topographischer Höhepunkt: mit dem langen Tourmalet, dem Aspin mit seinem stattlichen Tannenwald, dem (regennassen) Col de Peyresourde  

Do 2.7.  82 km / 1420 Hm  /  bewölkt, ab Mittag Regen bis ins Hotel

Bagnères-de-Luchon–St-Béat–Col de Mente (1349)–Col de Portet d’Aspet (1069)–St-Girons

In den Zentralpyrenäen zuerst über einen waldreichen und dann einen fast lieblichen Pass mit abwechslungsreicher Abfahrt ins Tal der Salat  

Fr 3.7. 100 km / 1861 Hm  /  schön, warm

St-Girons–Aulus les Bains–Col d’Agnes (1570)–Le Port–Col de la Crouzette (1242)– St-Girons

Die einen mögen’s nochmals stotzig, die andern etwas sanfter… 

Sa 4.7. 138 km / 1630 Hm  /  Start feucht, schön, warm

St-Girons–Massat–Col de Port (1250)–St-Paul–Lavelanet–Chalabre–Col de St-Benoît–Limoux

Eine letzte Schlucht und ein letzter Pass (der es gut meint. Bei Lavelanet nahe am Montségur der Katharer vorbei über die Pyrenäen-Ausläufer zum Ziel Limoux 

Total: 17 Pyrenäen-Pässe, 1044 Kilometer, 17753 Höhenmeter             

 

 

Stimmen und Stimmungen

Zuerst die Dame:

Als wir in dem kleinen Dorf Biert rechts abbogen, begann gleich der Aufstieg auf den Col de la Crouzette. Anfangs ging’s mit 8-9% auf einer schmalen Strasse bergan. Glücklicherweise war der untere Teil bewaldet, so dass mir die Sonne nicht voll auf den Buckel brannte. Aber die letzten 3 Kilometer hatten es in sich, es ging so steil bergauf, dass ich mich nicht mehr getraute den Lenker loszulassen um mir mit dem Bidon etwas kühlendes Wasser über den Kopf zu leeren!! Aber ich merkte, dass auch meine „Mannschaftskollegen“ mit dem harten Aufstieg zu kämpfen hatten, und so konnte ich noch etwas zulegen und erreichte zufrieden, aber etwas müde die Passhöhe.

Der unscheinbare Col forderte mir einiges ab.

Dann der Gast:

Als Gastfahrer durfte ich dieses Jahr die Pyrenäen-Tour mitfahren. Da ich die Pyrenäen noch nicht kannte, wollte ich die Gelegenheit nutzen, um mit einer geführten Gruppe diese Berge kennen zu lernen. In der Gruppe wurde ich gut

aufgenommen, da mich die meisten kennen und umgekehrt. Da ich mit wenig Km. in die Tour startete, wurde ich, obwohl keine aktiven Rennfahrer dabei waren, von dem Tempo in den Bergen die ersten drei Tage etwas überfordert. Zudem

setzte mir die Hitze sehr zu. Vom dritten Tag an kam jeden Tag etwa zur selben Zeit ein Gewitter auf, es wurde kühler und es lief mir zusehends besser. Die Berge haben meiner Meinung nach viel gemeinsam mit den Schweizer Bergen. Der warme Regen lässt alles grün werden.

Dass es auf der Tour zu keinen Stürzen kam, ist auch ein Verdienst der sorgfältigen Planung von Flavio und der umsichtigen Fahrweise der Gruppenleiter und Teilnehmer. Die Hotels waren, auch in Frankreich, erstaunlich gut.

Verbesserungsfähig sind lediglich die Anfahrten zu den Hotels. Das Suchen derselben war nicht immer einfach. Ein kleiner Plan wäre sehr nützlich.

Ich möchte mich bei allen herzlich dafür bedanken, dass ich diese Tour mitfahren konnte.

Der Begleiter:

Es ist nicht die erste Begleitung einer Ferientour, die ich unternehme, aber die erste beim RVW. Gewöhnungsbedürftig für mich war das Ausmass der Veranstaltung: Die 36 Fahrenden, die grosse Dauer von 8 Tagesetappen und sowohl Länge als auch die Höhendifferenz der einzelnen Abschnitte übertreffen deutlich das bisher Erlebte!

Haben aber die 36 Teilnehmer der RVW-Ferientour überhaupt eine Begleitung nötig? Die Frage liesse sich für die diesjährige Tour fast mit Nein beantworten! Die in drei Gruppen eingeteilten Fahrer sind von deren Leitern gut geführt und organisieren sich selbstständig auf dem von Flavio festgelegten Kurs. Einzig ein Speichenbruch und ein darauf arg deformiertes Rad haben in der sechsten Etappe die Weiterfahrt von Hansjörg kurz vor einem der vielen Bergpreise verhindert.

Bemerkenswert übrigens die Vorbereitung der Teilnehmer auf diese Tour. Der Besenwagen wurde nur gerade einmal in Anspruch genommen, und zwar von Babs, die ganz unglücklich von einem Auto in der Vorbereitungsphase gerammt worden war. Trotz des Trainingsausfalls infolge Jochbeinbruches ist auch sie sehr stark gefahren.

Natürlich vermittelt der Besenwagen ein Sicherheitsgefühl. Und man lässt sich auch gerne „verwöhnen“. Das mitgeführte Wasser fand bei heisser Witterung guten Absatz, eine Banane zur Abwechslung wurde sehr geschätzt, die mitgeführte Pumpe verhalf bei den platten Reifen zu einem besseren Fahren, und auch die im Auto verstauten Regenjacken waren beim plötzlich einsetzenden Regen am Aubisque heiss begehrt.

Interessant zu beobachten waren die Gesichtsausdrücke auf den Pässen. Der Glanz in den Augen war bei den Ankömmlingen auf dem Aubisque infolge des Regens und der damit schwierigeren Abfahrt noch etwas getrübt. Die grosse Freude und der innere Stolz waren aber am nächsten Tag auf dem Tourmalet – dem diesjährigen Tourdach mit 2115 über dem Meer - bei allen deutlich zu erkennen.

Die Begleitung war aus gesellschaftlicher Sicht interessant und aufschlussreich. Es gab unzählige Begegnungen und einen regen Austausch mit den Teilnehmern. Das Mitfahren in der Tour, die gelebte Kameradschaft in den Gruppen, das Erreichen der radsportlichen Ziele der einzelnen Fahrer waren für mich ein tolles Erlebnis, Herzlichen Dank an Flavio, der mit viel Fleiss und Geschick die Tour hervorragend vorbereitet und geleitet hat.

Der Routinier:

Col du Tourmalet - ein Mythos unter den Tour de France-Pässen. Mein erster Aufstieg vor sieben Jahren ist immer noch präsent: sengende Nachmittagssonne, Dehydration, Erschöpfung. Ebenso die Wortspielereien von damals: Tour-MAL-et. Und diesmal? Aufstieg morgens, angenehme Temperaturen, frische Beine. Und dies gepaart mit der Erfahrung von vielen weiteren Passfahrten in der Zwischenzeit. Et voilà: Tour-BIEN-et!

Der radelnde Weltenbummler:

Vier Wochen war ich allein in den Alpen und im Zentralmassiv unterwegs gewesen, über viele Pässe zwar, aber in meinem bequemen Tempo und mit meinem beliebigen Tagesrhythmus. Und dann ab Limoux dies: Kolonne fahren! Sporttempo statt Kontemplationstempo! Bergrennen statt Rauffahren! Drei Tage litt ich. Bis am vierten Pyrenäentag meine Beine zu meiner eigenen Überraschung sagten: Das Tempo macht ja Spass. Von da an wollte ich die RV-Raser-Gruppe nicht mehr missen.

Der Kämpfer:

Am Mittwoch, 1. Juli, stand die Drei-Pässe-Fahrt Col du Tourmalet, Col d’Aspin, Col de Peyresourde auf dem Programm. Schon bei der Anfahrt spürte ich, dass meine Beine heute wohl nicht die besten waren. Doch der Tourmalet, das Dach unserer Tour, war für uns alle eine Riesenmotivation, so dass auch ich mich davon anstecken liess und „voll Guzzi“ gab. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis ich in unserer Gruppe durchgereicht wurde. Nun begann der Kampf für jeden gegen sich selbst. Der Schweiss rann von meinen Schläfen. Die Waden zitterten, die Schenkel brannten, doch mein Wille war ungebrochen. So schraubte ich mich Tritt für Tritt und Meter um Meter nach oben. Oberhalb der hundert Meter hohen Felswand, kurz vor dem Gipfel, erscholl ein dreissigstimmiger RV-Chor. Mit ihren Anfeuerungsrufen trieben sie mich bis zur Passhöhe, so dass ich die letzten Meter richtig gehend hochflog. Einmal mehr hat der Teamgeist der RV-Kameraden sich bewährt und in mir ein Glücksgefühl bewirkt, das die Strapazen vergessen liess.

Nach dieser Motivationsspritze flog ich geradezu über die zwei weiteren Pässe, Col d’Aspin und Col de Peyresourde, die noch auf dem Tagesprogramm standen.

Das Finale:

Letzter Tag, letzte Etappe, Limoux entgegen, wo der Bus uns erwartet. Saint-Girons liegt bereits 100 km hinter uns, auch der Col de Port, wir haben die Hochpyrenäen verlassen, bei Tarascon haben wir die Ariège überquert und inzwischen auch das gleichnamige Departement verlassen. Hier sind die Berge niedriger, das Relief weicher, die Täler weiter, tiefer der Horizont, heisser die Sonne. Noch ein lauschiges Tälchen hinauf und über das Pässchen de Saint Benoît, dann hinein in die zunächst waldige Abfahrt, die letzte. Sie trägt uns in eine andere Welt.

Sie ist überwältigend anders. Keine Alpweiden, keine schroffen Felswände, keine Schluchten mehr. Statt der frischen Höhenluft umweht uns südliche Wärme. Erstmals begegnen Pinien, Zedern, Zypressen, schrill sirrende Zikaden antworten unsern sirrenden Freilaufrädern. Neben uns sanfte Hügel, braunrote Äcker und Weinberge, immer kleine Parzellen und eingelassen in die sie umsäumende mittelmeerische Wildnis – ein stilles In- und Miteinander von Natur und Kultur. Da sollte man verweilen, sollte man bleiben können…

Ankunft in Limoux. Glück, dazusein. Zusammensitzen beim Bier. Die Räder lehnen vor dem Strassencafé. Der Bus wartet.

Die Ferientour im Rückblick des Organisators:

Du hast die Ferientour von langer Hand vorbereitet und mit dieser Planung wohl auch grosse Erwartungen verbunden.  Sind sie in Erfüllung gegangen?

Meine Erwartungen haben sich erfüllt, die Tour hat sie sogar übertroffen. Die grosse Zahl der Teilnehmer zeigt, dass die Pyrenäen attraktiv waren. Die Teilnehmer haben die Etappen gemäss ihrer Leistungsfähigkeit selber so gestaltet, dass es keine Einbrüche gab. Die Gruppen hielten gut zusammen. Von Stürzen blieben wir zum Glück verschont, so war die Stimmung auch immer gut. Beigetragen zum Gelingen haben sicher der Respekt der Teilnehmer vor der Tour und, trotz dem früheren Termin, die durchwegs gute Vorbereitung, unter anderem auch dank den vorgezogenen Tagestouren. Die Pyrenäenpässe sind lang, aber nicht generell schwieriger als die Alpenpässe, und mit guter Vorbereitung durchaus machbar. In meinen Augen ist die Pyrenäentour also ein Erfolg. Für mich ist eine Ferientour dann erfolgreich, wenn alle gut über die Runden kommen und zufrieden sind.

Enttäuschungen hast du also keine erlebt?

Nein. Oder doch? Etwas enttäuschend war für mich die französische Küche. Immerhin, man wurde satt. Und noch etwas: Schade war, dass nicht alle Angemeldeten dann auch mitkommen konnten.

Hast du die Tour selber auch geniessen können?

Ja natürlich. Andere Touren waren für mich viel hektischer. Diesmal war alles sehr gut vorbereitet, im Organisatorischen fühlte ich mich deutlich entlastet. Sodann ist es für mich wie für alle Radfahrer ein Erlebnis, einmal über die berühmten Pässe zu fahren, die man vom Fernsehen her kennt, einmal auf dem Tourmalet anzukommen und einander zu gratulieren. Die Tour war zudem auch landschaftlich eindrücklich und abwechslungsreich.

Du wirst auch die nächste Ferientour organisieren. Das bedeutet viel Arbeit. Was treibt dich denn an, diese Mühe immer wieder auf dich zu nehmen?

Die Teilnehmerzahl: Sie zeigt, dass es vielen etwas bedeutet, etwas zu erleben und miteinander zu erleben. Vielleicht auch die Frage, ob eine Attraktivitätssteigerung möglich sei. Bei der nächsten Ferientour werden wir wohl wieder einen festen Standort haben. Das hat Vorteile. Der Trend geht zwar eher in Richtung Etappenfahrten. 

Hast du für die künftigen Ferientouren einen Wunsch?

Dass weiterhin die Kollegialität gepflegt wird, dass man gemeinsam etwas erlebt, wovon man zehren und erzählen kann, das wünsche ich dem RV. Die Ferientour soll für alle ein bleibendes Erlebnis sein.