Ferientour in Kärnten 

Kärnten wird von uns TourenfahrerInnen als lohnenswertes Ziel einer Ferientour gewählt. Es wurde eine Woche vieler Überraschungen und Erlebnisse. Das Wetter war uns zu Beginn nicht gerade wohlgesinnt. Doch der guten Laune tat dies keinen Abbruch. So konnten wir uns in aller Ruhe auf den krönenden Abschluss, die Glockner Etappe vorbereiten. Die Woche verlief zudem ohne nennenswerte Unfälle und Defekte. „S’hat gepasst“. 

Das Tagebuch der Ferienwoche.

Freitagabend/Samstag: Fahrt in den Süden Österreichs
Man trifft sich um 20.00 Uhr im Ohrbüel zum Verlad des Gepäcks und des Arbeitsgeräts. Im Velo Anhänger werden 35 Räder in Reih und Glied sorgsam plaziert. Noch bleibt genügend Zeit sich im nahe gelegenen Restaurant zu verpflegen und von Daheim bleibenden Abschied zu nehmen. Es ist 22.45 Uhr, Roger Kopf unser versierter Chauffeur, der soeben begonnen Carfahrt begrüsst uns im bequemen Bus und gibt die Reiseroute bekannt. Über St. Gallen – München - Salzburg erreichen wir die Tauern Autobahn und im Morgengrauen sind wir im südlichsten Bundesland: Kärnten. In Finkenstein am Faaker See werden wir vom Hotelier herzlich begrüsst. Bereits können die Ersten die Zimmer beziehen und eine Stunde später ist eine erste Gruppe unterwegs, die seenreiche Landschaft zu erkunden. Vorbei an vielen kleinen Seen gelangen wir zum Bekanntesten, dem Wörthersee. Wir entdecken auch gleich einmal „das Schloss im Wörthersee“, Strände, die zum Bade und Strand Cafés die zum Verweilen einladen. Doch der unsicheren Witterung wegen rollen wir auf schnellstem Weg zurück ins Hotel.

Sonntag: Stollen Etappe
Regentropfen, die ans Fenster klopfen verheissen nichts Gutes. Beim Morgenessen folgt die Programmänderung. Flavio weiss uns anderweitig zu beschäftigen und schlägt die Fahrt nach Bad Bleiberg vor. Nebst einer Therme mit sprudelndem Wasser aus der Tiefe ist hier die Besichtigung eines still gelegten Bergwerks eine viel besuchte Attraktion. Wir werden in Overalls eingekleidet. Gleich geht’s mit einer Rutschfahrt auf dem Allerwertesten in die Tiefe des Berginneren. Ein versierter Begleiter weiss viel Interessantes zu erzählen über den Abbau von Blei, der vor ein paar hundert Jahren begonnen hat. Die vielen Stollen zeigen, dass hier unten Einiges los war. Uns wird es wohler nach zwei abenteuerlichen Stunden wieder ans Tageslicht zu kommen. Im strömenden Regen begehren weitere Touristen Einlass. Wir aber steuern einen Bauernhof an und verpflegen uns mit währschaften Bauernspezialitäten. Wir lassen den süssen und sauren Most durch unsere durstigen Kehlen rinnen. Bald kommt Unruhe auf, die ersten Sonnenstrahlen gucken durchs Fenster. Es wird klar, sobald im Hotel geht’s auf das Rad und eine kurze Abendtour wird in Angriff genommen. Andere lassen den Sonntag als „am siebten Tag sollst du ruhen“ verstreichen.

Montag: Fahrt in die Berge
Zwar stellen wir fest, dass die Temperaturen noch „im Keller“ sind, aber wenigstens ist die Strasse trocken. So brechen um neun Uhr die drei Gruppen auf. Bad Kleinkirchheim auf 1000 m/ü/M., das nach einem Kräfte raubenden Aufstieg erreicht wird. Die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich und so begehrt unsere Gruppe Einlass in einer sonnigen Garten Wirtschaft. Wir bestellen ein Mittagessen, das uns wieder zu Kräften bringt. Dunkle Regenwolken ziehen plötzlich auf: Zahlen bitte, bitte zahlen, bitte sofort zahlen, tönts aus der Runde. Das freundliche Servierpersonal kommt unserem Wunsche nach und so erreichen wir in flottem Tempo auf schnellstem Weg trocken unser Hotel. 

Dienstag: Dreiländerfahrt
Heute können wir uns auf einen Abstecher ins Dreiländereck Italien – Slowenien – Österreich freuen. Tourenchef Flavio verteilt die gut vorbereiteten Pläne an die Leiter. Obwohl die Route genau vorgezeichnet ist, verpasst es die „Gruppe Leo“ auf dem richtigen Pfad zu bleiben. Dieser führt sie weit nach Italien, Udine kam immer näher. Diese Irrfahrt sollte sich noch rächen, dem aufziehenden Gewitter mit Hagel, Blitz und Donner konnte man nicht ausweichen. Man musste durch. Übrigens, auch die anderen beiden Gruppen wurden nicht verschont. Bei der Fahrt durch Slowenien erkennen wir die teils grossen Schäden des Erdbebens, das am Tage zuvor diese Gegend heimsuchte. Der Vrsic Pass (1611 m) kostete einiges an Durchhaltewillen und es flossen manche Schweisstropfen. Mut brauchte es auch in der Abfahrt mit den Pavé Kurven, die uns arg durch schüttelten. Auch der Gewitterregen war eine zusätzliche Gefahr. Bald hellte es auf. Der Wurzen Pass ist nun noch das letzte Hindernis. Weniger der 14 % Aufstieg, vielmehr die „überhängende“ Abfahrt (18-20%) bei regennasser Strasse. Alle schafften es aber in beeindruckender Manier.

Mittwoch/Donnerstag: Schiffahrt und Fahrt durch die Seen Landschaft
Die unsichere Wetterlage bedingt eine Änderung des Programms. Die Königsetappe wird auf den Freitag verschoben. Heute Mittwoch können wir von einer willkommenen, abwechslungsreichen Tour erzählen. Kurz vor Mittag trifft die Tour Kolonne am Weissensee ein. Hier ist ein Weiterfahren nicht mehr möglich. Ein Kursschiff legt an und die geplante Einschiffung kann beginnen. Sorgen bereitet dem Kapitän und auch uns das Verladen der über dreissig Velos. Doch unter dem Schmunzeln der übrigen Gäste gelingt das Vorhaben. Die Aufforderung von Beni an die Passagiere, jetzt einen Putzlappen zu fassen und mit dem Reinigen der Zweiräder zu beginnen, quittierten diese mit schallendem Gelächter. Die Fahrt geniessen wir bei strahlendem Sonnenschein in der imposanten Bergwelt.
Die Ausfahrt am Donnerstag war eine einzigartige Fahrt von See zu See im Kärntnerland. In Pörtschach geniessen wir im Strand Café einen Cappuccino und den viel geliebten Apfelstrudel. Nach der Tour um den legendären und viel besungenen Wörthersee finden wir in Velden ebenfalls Platz am Ufer des Sees. Hier ist Zeit für das Mittagessen.

Freitag: Königsetappe
Nun ist er also gekommen, der Tag der Wahrheit. In Obervellach, 70 km vor dem Grossglockner, beginnt das grosse Abenteuer der drei Gruppen. Ist die Anfahrt ideal zum Einrollen, erfolgt kurz vor Heiligenblut die Fahrt zum Hochtor. Alle finden den richtigen Kurs, niemand nimmt die Abzweigung zur Glockner Edelweissspitze. Es wird ein langer, beschwerlicher und manchmal auch steiler Weg zur Passhöhe (2575 m). Alle können sich als kleine oder grosse Glocknerkönige oder Königin fühlen. Etwas irritiert sind Manche, als nach der Durchfahrt des Tunnels eine Abfahrt folgt, bevor ein letzter Aufstieg zu bewältigen ist, der zum Fuschertörl und Edelweiss Spitze führt. Eine Erfrischung kaufen, Phototime, Karten schreiben, oder auch nachdenklich in Gedanken versunken über die nicht alltägliche Leistung; Jeder genoss die Gipfel Erstürmung auf seine Weise. Die rasante Abfahrt Richtung Zell am See war schliesslich ein kleiner Trost.

Freitagabend/Samstag: Dank und gelungene Heimfahrt
Das Abendessen im Hotel wird nach der langen Busfahrt zu später Stunde serviert. Flavio darf den Dank für die hervorragend gelungene Ferientour entgegen nehmen. Es war beeindruckend, wie er es schafft, eine in allen Teilen stimmende Organisation auf die Beine zu stellen, die Jedem gerecht wird. Nicht selbst verständlich und so verdient es Flavio, von Allen ein persönliches Dankeschön zu bekommen.

Trotz Ferienbeginn in zahlreichen Ländern gelingt unserem Chauffeur eine problemlose Fahrt zurück nach Winterthur. Dank auch an Roger Kopf. Wir werden Carfahrten mit Kopf reisen gerne weiter empfehlen.
Sepp B.

 

Tour zum Weissensee

Bereits fahren wir in die zweite Wochenhälfte unserer Ferientour. Die heutige Ausfahrt führt uns zum “höchstgelegenen Badesee Europas”, wie die Werbung glaubhaft verkündet. Unter der sicheren und umsichtigen Führung von Kurt  und Ludi queren wir die Stadt Villach, das wirtschaftliche Zentrum von Kärnten, und folgen dem Fluss Drau talaufwärts. Hoch über der Ebene thront auf einer senkrecht abfallenden Felsflanke die mächtige Burganlage Landskron. Bei Paternion biegen wir ins Seitental des Weissenbach ein. In steilen Rampen windet sich die Fahrstrasse durch das wald- und wasserreiche Tal hoch zum Weissensee auf 930 m ü. M. Mit gazellenartiger Leichtigkeit schwingt sich Vera  in ihrer ersten Tourensaison die ruppigen Steigungen hoch. Die wunderschöne Naturlandschaft steht stellvertretend für das den sanften Tourismus fördernde Kärnten: weite Täler mit bewaldeten Berghängen, Bäche, Wasserfälle, Flüsse, Seen, Burganlagen, ferne Schneeberge und abseits der Hauptverkehrswege ruhige, radlerfreundliche Strassen und Dörfer. Mit dem Schiff lassen wir uns vom Ostufer über den 11.8 Kilometer langen, tiefblauen See an das Westufer bringen. Das steil eingekerbte Tal ist hier noch ohne Fahrstrasse. Bei unserer Einschiffung ist das Boot bereits gut besetzt und mancher der meist älteren Fahrgäste mochte sich fragen - was, diese Radlerschar will auch noch mit ? In allen möglichen und unmöglichen Lagen werden unsere Rennräder plaziert. Nach der Überfahrt wünscht uns der Bootsführer in sprichwörtlicher Kärntner Gastfreundlichkeit eine gute Weiterfahrt mit der Bemerkung, so viele Radel hätte er noch nie mitgeführt. Nach einer Mittagsrast geht die Tour weiter über die Grafenwegenhöhe (1077 m ü. M.) und die Karnische Dolomitenstrasse hinunter nach Hermagor, wobei der hier waschbrettartige Strassenbelag eine genüssliche Schussfahrt behindert. Zeitweilig begleitet uns das Trassee einer noch nicht elektrifizierten Schmalspurbahn. Blumenwiesen, Heuheinzen, kleine Gerstenäcker und Histen zum Nachtrocknen von Getreidegarben, sogenannte Gerstenharpferln, lassen erahnen, dass die landwirtschaftliche Uhr hier noch etwas langsamer tickt, als bei uns im Zürichbiet. Über Nötsch und Arnoldstein erreichen wir wieder unseren Logierort. Der Velocomputer registriert für diese “weisch – nu echli flach s’Tal hindere führende” Etappe satte 127 Kilometer und 1113 Höhenmeter.
Peter A. 

 

Ferientour 2004