Bericht / Bilder 2008

RVW Ferientour 2008

 

Für die Ferientour 2008 wurden Touren im Trentino ausgewählt. Ausgangspunkt war jeweils Spera, wo wir im gleichnamigen Hotel während einer Woche vornehm bewirtet wurden. Unser bewährter Ressortchef Tourenfahren, Flavio, stellte ein abwechslungsreiches, aber anforderungsreiches Programm zusammen.

 

Die Routen waren so angelegt, dass auch einmal eine Abkürzung drin lag. Flavio zog am letzten Abend sichtlich erfreut Bilanz über eine vom Wetter begünstigte Tourenwoche, die allseits ein gutes Echo fand. Wir blieben von schweren Unfällen verschont, lediglich zwei kleine Unaufmerksamkeiten führten zu unbedeutenden Kollisionen, für die Betroffenen jedoch zu schmerzhaften Erinnerungen. Die kameradschaftliche Stimmung in den vier verschiedenen Gruppen war vorbildlich. Die Aufteilung der Gruppen war ideal und liess im Laufe der Woche bei Überforderung oder Unterforderung problemlos einen Wechsel zu. 780 km, 6 Pässe und über 10 000 Höhenmeter wurden in sieben Etappen gefahren. Für die vorbildliche und sorgfältige Organisation durfte  Flavio schliesslich viel Lob und Dank entgegennehmen. Danke, Flavio.

Radtouren kreuz und quer durch das Trentino

Vor Beginn der Tourenwoche erhielten alle 28 Teilnehmer ein detailliertes Programm, woraus die Routenwahl ersichtlich war. Diese Unterlagen gaben uns unterwegs die Sicherheit auf dem richtigen Pfad zu bleiben. Die Touren führten jeden Tag auf einen Pass, welchen wir meistens in der morgendlichen Frische in Angriff nahmen, was natürlich sehr angenehm und willkommen war. Damit wir die Gegend näher kennen lernen konnten, führte uns Flavio noch am Tag der Anreise gemeinsam durch "seine“, ihm wohlbekannte Gegend. Der Radweg im Valsugana, der im Tal unten angelegt ist, erwies sich als ein wahres Paradies für die Liebhaber des gemütlichen Radwanderns. Gerne benützen auch wir im Laufe der Woche dieses Angebot, bevor wir jeweils abzweigten und unsere Passhöhen ansteuerten.   

Sonntag: Passo Croce D’Aune

Das Wasser des Flusses Brenta begleitet uns entlang des bequemen, aber kurvenreichen Radweges am Sonntagmorgen 30 km lang beim Einrollen zur ersten Etappe. Danach beginnt ein erster Anstieg entlang einer Felswand, die nicht zu nahe befahren werden darf, da immer wieder grosse Felsbrocken Richtung Strasse ragen. Weiter geht die abenteuerliche Fahrt über einen schmalen Drahtseilsteg, der uns sicher über den wogenden Fluss bringt. Beim folgenden Aufstieg zum Passo kommen alle ein erstes Mal arg ins Schwitzen. Auf dem Passo Croce D’ Aune erinnert eine Skulptur an Tullio Campagnolo, der im steilen Aufstieg die Idee zur Erfindung des Fahrrad-Schnellspanners gehabt haben soll. Die anschliessende rasante Fahrt ins Tal lässt die nassen Kleider im Nu trocken werden. Für den Mittagshalt finden wir ein zusagendes Ristorante, welches die Gruppe Flavio empfiehlt. Sie überlässt uns den raren Platz in der Gartenwirtschaft. Gut gestärkt nehmen wir den restlichen Weg unter die Räder und erreichen das Hotel in Spera problemlos.

 

Montag: Passo Manghen

Vom Hotel zu Tale und gleich in den Aufstieg zum Passo Manghen (19km, 2047m/M), ein sanftes Einrollen bleibt uns erspart. Doch alle wissen die Kraft gut einzuteilen, so, dass auch die letzten 5 km, die einiges abverlangen, bestens gemeistert werden. Die rauschende Abfahrt führt ins Val di Fiemme / Fleimstal, 2003 Austragungsort der Nordischen Skiweltmeisterschaften. Es ist einer der bedeutendsten Wintersportorte Italiens. Auf der Weiterfahrt passieren wir das Cembratal, zu Deutsch Zimmerstal. Die 11 Gemeinden sind geprägt durch den Weinbau. Wir fahren den Weinbergen entlang talauswärts. Die frische Luft riecht allerdings nach Spritzmitteln, welche Weinbauern einsetzen um die Qualität oder Quantität ihres Trauben zu steigern. Bevor wir in die Tiefe stechen um die Talseite zu wechseln, bewundern wir noch die Erdpyramiden von Segonzano. Statt Weinbau herrscht hier der Bergbau. Roter Porphyr wird da abgebaut und zu Steinplatten oder auch Küchenabdeckungen verarbeitet. Nach einer kurzen Irrfahrt finden wir auf dem Radweg zurück ins Hotel.

 

Dienstag: Passo Redebus

Mit 1449m/M ist dieser Pass schon recht anspruchsvoll. Wir werden bereits bei der Anfahrt ziemlich gefordert. Ein kurzer Halt zur Stärkung und wir fahren hoch zum Redebus, durch das Fersental, wo während des Faschismus wie anderswo die zimbrische Sprachminderheit unterdrückt wurde. Viele Zimbrer wurden so zur Auswanderung gezwungen, kehrten nach Kriegsende wieder zurück und sprechen noch heute ihre ursprüngliche deutsche Sprache, das Fersentaler Zimbrisch.
Es gibt zwei Wege Richtung Pass, wir wählen die orographisch rechte Talseite, weil die vorgesehene schattigere Route gesperrt ist. Auf dem Pass gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Erst nach der Abfahrt finden wir ein Hotel im Tal, wo wir zuvorkommend bewirtet werden. Auf den einzigen Plätzen vor dem Hause wird für unsere Gruppe aufgetischt. Auf verkehrsarmen Wegen gelangen wir wohlbehalten zurück nach Spera.

 

Mittwoch: Kaiserjägerweg oder Passo di Vezzena

Es ist eine abenteuerliche Fahrt auf diesen Pass. Enge Tunnels, steiler Aufstieg, aber auch immer wieder imposante Aussichten ins Tal. Doch einmal oben, tut sich uns eine weite Ebene auf. Die Route führt durch sieben Gemeinden, wo eine andere zimbrische Sprachvariante gesprochen wird. Hauptort ist Asiago mit einem monumentalen Bauwerk, dem „Sacrario Militare“, das an die Gefallenen des Ersten Weltkrieg erinnert, als Italien und Österreich sich in den Isonzo-Schlachten bekämpften.
Ins Tal fahren wir über einen 180 Meter hohen Viadukt, der uns zu einem Photohalt einlädt. Weiterfahrt durch enge Kurven, bis wir zum Veloweg auf 210 m/M einmünden. Ein letzter Halt im Bicigrill Tezze und wir ziehen gemütlich des Weges zum Hotel. Das Nachtessen wird uns am heutigen Abend auswärts aufgetischt. Mit dem Bus fahren wir auf die Alp Crucolo und werden fürstlich bewirtet. Es bleibt Zeit, Wein, Grappa, Salami usw. zu degustieren und diese Köstlichkeiten einzukaufen. Ein Abend, den wir nicht so schnell vergessen werden.

 

Donnerstag: Col Val d’Antenne

Ein gemütliches Einrollen das Tal hinunter steht uns bevor. Nach knapp 20 km zweigen wir rechts zum Col ab. Doch dort, wo der Pass beginnt, stehen wir vor einem Schilderwahnsinn, der sich nur enträtseln lässt, wenn man sich Zeit nimmt und absteigt. Insgesamt neun verschiedene Schilder sind auf drei Stangen montiert. Für uns ist keine bestimmt, höchstens die Tempolimite (30), aber diese bringt keinen in Verlegenheit, denn die Strada führt auf engen Wegen 15 km weit den Felswänden entlang in die Höhe. „Tutto in gruppo“, so lässt sich auch die fantastische Aussicht in die Schwindel erregende Tiefe geniessen. Die Talfahrt begeistert alle: links-rechts-links usw., es sind wohl über dreissig Kurven, die wir einem Tatzelwurm ähnlich durchfahren. Und weil wir so diszipliniert zu Tale fahren, gibt es in Valstagna einen Glacéhalt.

Freitag: Cima di Campo

Es ist der letzte Tag unserer unvergesslichen Ferientour. Und alle wollen nochmals aufs Rad. Es sind ca. 90km vorgesehen. Mit der Cima di Campo fehlte natürlich auch der obligate Pass nicht. Nach einem ersten moderaten Anstieg, vorbei an Festungen aus dem Ersten Weltkrieg, fährt der Tross Richtung Arsiè. Dies ist der Hauptort dieser von Landwirtschaft und Viehzucht geprägten Landschaft. Der See, die Denkmäler aus dem Ersten Weltkrieg, aber auch die intakte Berglandschaft ziehen zahlreiche Touristen in die Region. Unsere Fahrt auf die Cima ist kurzweilig und die Anforderungen sind für alle problemlos. Und oben angekommen wähnen wir uns im Berggebiet des oberen Tösstals. Satte Wiesen, die weidenden Kühe, einige Wanderer und eine Alpwirtschaft, wo sich gemütlich ausruhen lässt, erinnern uns daran. Nicht ganz in die Umgebung passt der Forte Leone, wortwörtlich die Löwenfestung, die die Italiener noch vor dem Ersten Weltkrieg errichteten. Zuerst mit Kanonen ausgerüstet, wurden diese in der Folge an der Front benötigt und durch schwarz lackierte Tannen ersetzt. Der Gegner ward so getäuscht. – Noch ein letztes Mal zogen wir unsere Kurven auf einer Passabfahrt. Dazwischen der Mittagshalt in einer Pizzeria, wo die Köstlichkeiten den Teller um einiges überragten. Mit der Fahrt Richtung Hotel endete die diesjährige Ferientour und alle die dabei waren, werden die Tage im Trentino in angenehmer Erinnerung behalten.
Sepp